Die Geschichte der Burg Bilstein


(von Markus Quast)

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Die Anfänge der Burg Bilstein

Die Burg Bilstein wurde um das Jahr 1225 gegründet. In diesem Jahr nennt sich ein Dietrich Edelherr zu Bilstein, der gleiche Dietrich, der sich in Urkunden von 1202 und 1218 noch als "von der Gevore" (Förde) bezeichnet.
Auf der Peperburg bei Grevenbrück hatte das Edelherrengeschlecht schon vor der Mitte des 12. Jahrhunderts residiert. Die ältere Geschichte dieser Familie liegt weitestgehend im Dunkel. Sie sammelte im Laufe des 11. Jahrhunderts territorialen Streubesitz im Raum zwischen Olpe, Attendorn und dem Kahlen Asten und eine Reihe von herrschaftlichen Rechten. Ein zusammenhängendes Territorium gehörte jedoch nicht zu Ihrem Besitz. Als Nachfolger Dietrichs von Bilstein sind Johann I, ein weiterer Dietrich und Johann II bekannt. Letzterer verstarb 1363. Die Herrschaft Bilstein ging nach dem Tod Johanns II an das Haus der Grafen Mark über, das sich 1391 mit Kleve vereinigte.

Die Ereignisse um die Soester Fehde

Eine wesentliche Umstrukturierung der Machtverhältnisse ergab sich im Rahmen der sogenannten "Soester Fehde".
Als der Kölner Erzbischof Dietrich von Moers versuchte, die Herrschaft über die fast unabhängig gewordene Stadt Soest zu festigen, antwortete diese 1441 mit einem Freundschaftsvertrag mit dem alten Gegner Kurkölns in Westfalen, Kleve-Mark, den Herren der Burg Bilstein. 1444 sagte sich Soest gänzlich von Köln los und huldigte dem Herzog Johann von Kleve-Mark. Dadurch kam es zu einem offenen, das ganze nördliche Deutschland in Mitleidenschaft ziehenden Konflikt, in dem sich das Hochstift Paderborn auf die Seite Kurkölns stellte.
Der Streit endete aufgrund burgundischer Vermittlung im Schiedsspruch von Maastricht 1449, wonach Soest und Xanten bei Kleve-Mark verblieben, Köln dagegen die wichtige Zollstätte Kaiserswerth sowie die 1444/45 eroberten Herrschaften Fredeburg und Bilstein mit zugehöriger Burg im Sauerland behalten konnte.
Interessant ist im Rahmen der Soester Fehde die Rolle der Stadt Attendorn. Zeitweilig war die Stadt so reich, dass sie selbst dem Kölner Erzbischof erhebliche Kredite gewähren konnte. Darüber hinaus unterstützte sie den Bischof von Köln während der gesamten Zeit der Auseinandersetzung mit Soest. So halfen die Attendorner 1444/45 bei der Eroberung der Burg und des Landes Bilstein. Sicher hätte die Stadt sich gern die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Burg einverleibt, doch dazu sollte es nicht kommen.
Köln hat diesen Besitz nie wieder heraus gegeben und, gemäß spätmittelalterlicher Verfassung, dort ein "Amt", also eine Verwaltungseinheit eingerichtet zu der neben der Burg auch die umliegenden Besitzungen gehörten. Als Vertreter des Erzbischofs von Köln residierte von nun an ein Amtsdroste (Droste = Truchseß, oberster Beamter) auf der Burg.

Die Drosten des Hauses Fürstenberg

Die damaligen Verhältnisse (häufige Kriegsführung, häufig unkalkulierbare Ausgaben zur Aufstellung von Truppen) machten es für die meisten Landesherren nötig, große Geldsummen auf dem Kapitalmarkt zu leihen und dafür als Pfand und Zinsleistung im Gegenzug landesherrliche Einkünfte wie etwa Ämter zu vergeben. Dies traf auch für das Amt Bilstein zu. 1556 erwarb Friedrich von Fürstenberg die Pfandverschreibung der Ämter Bilstein und Waldenburg und wurde Amtsdroste und später Droste. Er nahm seinen Amtssitz auf der Burg Bilstein. Zwei seiner Söhne wurden Geistliche, Kaspar, der zweitgeborene (1545-1618) übernahm das väterliche Erbe.
Kaspar von Fürstenberg war eine eindrucksvolle Persönlichkeit und verstand es, den Besitz der Familie beträchtlich zu vergrößern. Im Jahr 1585 verhalf er, mit weitreichenden Einfluss ausgestattet, seinem Bruder Dietrich zur Wahl zum Bischof von Paderborn. Ein Amt, welches das Ansehen der Familie erheblich steigerte und Ihrem sozialen Aufstieg im niederen Adel dokumentierte.
Ab 1607 wohnte Kaspar von Fürstenberg auf der Burg Schnellenberg bei Attendorn. Er hatte diesen Besitz 1594 erworben und in den nachfolgenden Jahren zum Familienstammsitz ausgebaut. Noch heute leben die Nachfahren des Hauses Fürstenberg dort.
Kaspar von Fürstenbergs bis heute erhaltenen Tagebücher geben beredtes Zeugnis über den Menschen und Landesherren Kaspar und seine Tätigkeit und schildern ihn als Mann, der tief in seiner Zeit verwurzelt war. So betrieben er und sein Bruder Dietrich mit großem Eifer Hexenverfolgungen in denen zahlreiche Frauen und Männer ihr Leben lassen mussten.
Nachfolger Kaspars wurde in seinen Besitzungen und Ämtern sein Sohn Friedrich. In diese Zeit fiel der 30jährige Krieg in dem das Schnellenberger Anwesen zerstört wurde und die Familie Fürstenberg wieder auf die Burg Bilstein ziehen ließ.
Hier wurde auch 1626 Ferdinand von Fürstenberg geboren, der spätere Fürstbischof von Paderborn (1661-1683). Dieser galt nicht nur als großartiger Bischof und Fürst und Lenker seines Bistums, sondern auch als bedeutender Dichter, Poet und Gelehrter in seiner Zeit. Besonders erwähnenswert ist seine "Geschichte der Paderborner Bischöfe". Interessanterweise schrieb er diese nicht vor Ort in Westfalen, sondern in Rom.
Sein Interesse an der Geschichte der Region war von Anfang an da. Entscheidend aber war die Bekanntschaft mit dem Päpstlichen Nuntius Fabio Chigi in Münster. Dieser rief ihn 1652 nach Rom, wo er bis zu seiner Wahl zum Fürstbischof von Paderborn blieb.
Die Familie derer von Fürstenberg blieb bis zum Ende des Alten Reiches im Besitz des erblichen Drostenamtes zu Bilstein, Fredeburg und Waldenburg. Die Nachfolger überließen allerdings zunehmend die Verwaltung ihren Beamten. Auch verstreute sich die Familie immer mehr im Land. So wohnten im 17. Jahrhundert die Familienmitglieder in Schnellenberg bei Attendorn, in der Adolfburg bei Oberhundem und Herdringen.

Die preußische Phase

1802 gelangte das Herzogtum Westfalen nach der Auflösung des Kurfürstentums Köln zunächst an Hessen und ab 1816 an Preußen. Dies sei kurz erklärt: Der Erzbischof von Köln war gleichzeitig Herzog von Westfalen wie auch Kurfürst zu Köln. Der Bereich der Burg Bilstein gehörte nun nicht zu seinem klerikalen Besitz, sondern zum weltlichen Teil seiner Machtentfaltung. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation nun wurden beide Herrschaften aufgelöst. Nach einigen Jahren hessischer Herrschaft wurde auf dem Wiener Kongress das Gebiet schließlich Preußen zugeschlagen.
1818 wurde die Stadt Olpe Sitz der Kreisverwaltung und die verwaltende Funktion Bilsteins erlosch. Die Burg wurde preußische Domäne und Sitz der Forstverwaltung.
Seit Beginn des Jahres 1927 wurde in den Mauern der Burg Bilstein die Jugendherberge eingerichtet. Im Jahr 1979 schließlich ging der Besitz der Burg vom Land an den DJH Landesverband Westfalen-Lippe über.

Weiterführende Literatur zum Thema:

  • Becker, Günther, Hans Mieles: Bilstein - Land, Burg und Ort. Festbuch zum 750jährigen Bestehen der Burg Bilstein, Lennestadt 1975.
  • Bruns, Alfred: Kaspar von Fürstenberg (1545 - 1618) : Vortrag auf Burg Bilstein am 17. Oktober 1995. In: Heimatstimmen aus d. Kreis Olpe 183 (1996) S. 95-116 : Ill.
  • Decker, Rainer: Der Hexen-Richter Dr. Heinrich v. Schultheiß (ca. 1580-1646) aus Scharmede, Paderborn. In: 750 Jahre Salzkotten. Band 2, hrsg. von der Stadt Salzkotten und Detlef Grothmann, Paderborn 1996, Bonifatius-Verlag
  • Lahrkamp, H.: Ferdinand von Fürstenberg (1626-1683) in seiner Bedeutung für die zeitgenössische Geschichtsforschung und Literatur. In: Westfälische Zeitschrift 101/102 (1953), S. 301-400.
  • Lahrkamp, H.: Ferdinand von Fürstenberg. In: Westfälische Lebensbilder. Bd. 8. Münster 1959, S. 37-56.
  • Lobbedey, Uwe: Burg Bilstein, In: Westfälische Kunststätten, Heft 19, Hrsg: Westfälischer Heimatbund, Münster 1982